N26
Stand: AGB in der Fassung vom 19.06.2026 (AGB N26 Girokonto, Version 3.0)
N26 Bank SE, Voltairestraße 8, 10179 Berlin, deutsche Vollbank unter Aufsicht der BaFin, gesetzliche Einlagensicherung über die Entschädigungseinrichtung deutscher Banken bis 100.000 Euro
Analyse veröffentlicht am
N26 führt dein Girokonto nach deutschem Recht, die Basisversion ist kostenlos und die Premium-Stufen kosten 4,90 bis 16,90 Euro im Monat. Der Vertrag besteht aus mehr als einem Dutzend Einzeldokumenten, die wichtigsten Kostenfallen stehen nicht in den AGB selbst, sondern im Preis- und Leistungsverzeichnis. Zwei Punkte fallen auf: ein Verwahrentgelt auf hohe Guthaben und ein Änderungsmechanismus, bei dem dein Schweigen als Zustimmung gilt.
Risiken & Schwächen
Verwahrentgelt von 0,5 Prozent auf Guthaben über 50.000 Euro
Hohes RisikoZiffer 9.1 der AGB verpflichtet dich zu einem variablen Entgelt für die Verwahrung deiner Einlagen. Das Preis- und Leistungsverzeichnis (Version 4.4 vom 26.06.2026) beziffert es auf 0,5 Prozent pro Jahr für alles über 50.000 Euro. Maßgeblich ist nach Ziffer 9.1.2 der Tagesendsaldo, abgerechnet wird nach Ziffer 9.1.4 monatlich nachträglich, wobei der Monat mit 30 Tagen und das Jahr mit 360 Tagen gerechnet wird. Die Klausel gilt nur für Konten, die nach dem 19.10.2020 eröffnet wurden, für das N26 Flex Konto fällt sie laut Preisliste nicht an.
Überziehungszinsen von 8,9 Prozentpunkten über dem EZB-Satz
Hohes RisikoOhne separaten Überziehungskreditvertrag gilt nach Ziffer 11.2 ein variabler Sollzinssatz von 8,9 Prozentpunkten über dem Zinssatz für Hauptrefinanzierungsgeschäfte der Europäischen Zentralbank. Das ergibt regelmäßig einen zweistelligen Zinssatz. Die Zinsen werden zum Quartalsende nachträglich fällig und direkt vom Konto abgebucht.
Dein Schweigen gilt als Zustimmung zu neuen AGB
Hohes RisikoNach Ziffer 15.4 gilt deine Zustimmung als erteilt, wenn du nicht innerhalb von zwei Monaten schriftlich oder elektronisch widersprichst. Dieselbe Konstruktion steht in Ziffer 1 Abs. 2.4 der Grundregeln (Version 1.6, gültig ab 16.01.2026). Wer die Mail übersieht, hat den neuen Bedingungen formal zugestimmt.
Kontosperre schon bei begründetem Verdacht
Hohes RisikoZiffer 13.1 erlaubt N26, den Zugang zu sperren oder einzuschränken, sobald ein begründeter Verdacht auf unautorisierte Nutzung besteht. Die BaFin hat N26 im Dezember 2025 gravierende Mängel im Risiko- und Beschwerdemanagement attestiert und ein Maßnahmenpaket samt Sonderbeauftragtem angeordnet. Zuvor gab es Bußgelder von 4,25 Millionen Euro (2021) und 9,2 Millionen Euro (2024) wegen verspäteter Geldwäscheverdachtsmeldungen.
Auf dein Guthaben gibt es null Zinsen
MittelZiffer 2.5 der AGB ist eindeutig: "Für das Guthaben auf dem Konto erhältst du keine Zinsen." In Kombination mit dem Verwahrentgelt bedeutet das bei größeren Beträgen eine negative Rendite, während dein Geld gleichzeitig der Inflation ausgesetzt ist.
Ein Konto pro Person, geschäftliche Umsätze führen zur Kündigung
MittelZiffer 3.1 verbietet mehrere Konten und erlaubt N26 ausdrücklich, das Konto "unter Einhaltung einer angemessenen Frist" zu kündigen, wenn über das privat genutzte Girokonto erkennbare Geschäftsumsätze laufen. Wer nebenberuflich etwas verkauft, riskiert damit den Kontoverlust.
Haftungsausschluss und nur 99 Prozent Verfügbarkeit
MittelDie Ergänzenden Bestimmungen sichern in Ziffer 3.1 lediglich 99 Prozent Verfügbarkeit von App und Online-Interface zu, das sind rechnerisch bis zu 3,65 Ausfalltage im Jahr. Ziffer 7.4 schließt danach ab: "Im Übrigen ist eine Haftung von uns ausgeschlossen." Ziffer 8 verbietet dir außerdem die Aufrechnung, außer mit unbestrittenen oder rechtskräftig festgestellten Gegenansprüchen.
Dein SCHUFA-Score entscheidet automatisiert, welches Konto du bekommst
MittelDie Datenschutzerklärung (Version 13.6 vom 20.07.2026) beschreibt in Abschnitt XI eine vollautomatisierte Entscheidung, die ausschließlich auf deinem SCHUFA-Score beruht und darüber bestimmt, ob dir nur ein Flex-Konto angeboten wird. Für Kreditprodukte berechnet N26 zusätzlich einen internen Kreditscore, der laut Datenschutzerklärung den Einsatz von Machine-Learning-Verfahren beinhalten kann, und meldet Vertragsdaten an die SCHUFA.
Deine Hebel
Schwächen im Vertrag, die dir als Verbraucher in die Karten spielen.
Gegen das Verwahrentgelt kannst du vorgehen
Der BGH hat am 04.02.2025 in vier Verfahren (XI ZR 61/23, XI ZR 65/23, XI ZR 161/23, XI ZR 183/23) differenziert entschieden: Bei Spar- und Tagesgeldkonten sind Verwahrentgelte unzulässig, bei Girokonten sind sie grundsätzlich möglich, die Klausel muss die Berechnungsmethode aber transparent offenlegen. Ist sie intransparent, ist sie unwirksam und du kannst Gezahltes zurückfordern. Die Verjährung beträgt drei Jahre ab Ende des Jahres, in dem der Anspruch entstanden ist und du davon Kenntnis erlangen konntest.
Zustimmung durch Schweigen trägt nicht weit
Der BGH hat am 27.04.2021 (XI ZR 26/20) entschieden, dass Klauseln unwirksam sind, die ohne inhaltliche Einschränkung die Zustimmung des Kunden zu AGB-Änderungen fingieren. Für weitreichende Änderungen braucht es einen echten Änderungsvertrag. Gebührenerhöhungen, die nur über eine solche Fiktion durchgesetzt wurden, kannst du zurückverlangen.
Du kündigst sofort, N26 braucht zwei Monate
Nach Nr. 18 Abs. 1 der Grundregeln kannst du die gesamte Geschäftsbeziehung jederzeit und ohne Kündigungsfrist beenden. Für N26 gilt nach Nr. 19 Abs. 1 dagegen eine Kündigungsfrist von mindestens zwei Monaten für Zahlungsdiensterahmenvertrag und Depot. Vor dem Wirksamwerden einer AGB-Änderung darfst du zusätzlich fristlos kündigen (Ziffer 15.4).
14 Tage Widerruf, auch direkt in der App
Die Widerrufsbelehrung in Ziffer 5 der AGB gibt dir 14 Tage ab Vertragsschluss und Erhalt aller Pflichtinformationen. Du kannst den Widerruf per Mail an terms@n26.com schicken oder in der App unter "Rechtliche Informationen" erklären, N26 muss dir dann unverzüglich eine Eingangsbestätigung auf dauerhaftem Datenträger senden. Rückzahlungen sind innerhalb von 30 Tagen fällig.
Anspruch auf ein Basiskonto, das kaum kündbar ist
Ziffer 6.3 der Ergänzenden Bestimmungen erkennt für Basiskonto-Berechtigte ausdrücklich das Kündigungsrecht nach § 42 Abs. 2 Zahlungskontengesetz an. Damit gelten für dich die engen gesetzlichen Kündigungsgründe statt der bankfreundlichen AGB-Regeln, und N26 muss dir als Verbraucher mit rechtmäßigem Aufenthalt in der EU auf Antrag ein Basiskonto führen.
Weitere Analysen
Analyse öffentlich einsehbarer Nutzungsbedingungen. Bildung, keine Rechtsberatung.